Mittwoch, 16. März 2011

it's gonna be a long, long way to be happy.

11. 3. 2011 - Hier war sie wieder heute.
Ein dreckiges Licht fiel auf sie herab, sodass man ihre Haarkrause deutlich erkennen konnte. Kleine Lichtfunken umspielten ihre Rot lackierten Fingernägel und ließen die Farbe wild zu einem Misch aus Licht, Schatten und roter Farbe werden. Nervös schob sie ihren Daumen in die Nagelhaut ihres rechten Zeigefingers.
Den Schmerz verspührte sie schon lange nicht mehr.
"Noch 10 Minuten. Dann ist es so weit. Dann werde ich es tun. Hoffentlich ?" Ihr Schneidezahn fuhr galant über ihre wohl durchblutete Unterlippe, als wäre er ein Messer, welches ein Stück rohes Fleisch zerteilt.
"Alles in Ordnung, Miss ?" Eine Kellnerin in den Mitte Zansigern beugte sich behutsam vor das Mädchen vor und mit einem gefälschten Lachen, heuchelte sie wahres Interesse.
"Alles ist bestens..", gab sie mit nüchterner Stimme von sich.
"Noch 5 Minuten .." 
Das Mädchen ließ ihren Blick durch das Wirr vor ihr schweifen. Viel Gelächter, glänzende Augen, verfürhrerische Düfte von Kalorienbomben, fragende Blicke, Freundlichkeit, Rechnungen, stille Musik, überall unfreundliche Unaufdringlichkeit, gefaktes Lachen, Einsamkeit..
Alles schien in Zeitlupe zu laufen. Sie sah jeden Fleck, jede Reaktion, jede Mimikfalte ganz genau.
"Ja,ja .. Gut, dann sehen wir uns in NY. Das Geschäft wird wie geplant laufen. Auf Wiedersehen."
Das war die Stimme, welche sie nie wieder hören wollte, aber doch jeden Tag und jede Nacht sehnsüchtigst, auf sie warten würde.
Den Mann würde man schnell als wichtig einstufen. Er trug einen fachmännischen Anzug in schwarz. Klassisch. Zeitlos. Immer bereit. Genauso wie ein Geschäftsmann, wie er, sein sollte.
Sobald er sich hinsetze kamen zwei Kellner auf ihn zu. Einer der Pinguiene zog den Stuhl dem gut betuchten Mann zu Recht, während der Andere wie ein Blitz vorschoß und ihn die Weinkarte reichte.
Der Mann lehnte großzügig ab, bestellte einen Wein und ein Gericht.
Sie wusste nicht genau, wohin sie schauen sollte. Beschämt auf den Boden wie ein kleines Kind schauen ? Unsicher durch die Gegend blicken ? Oder der Wahrheit ins Gesicht schauen ?
"Ich will nicht. Ich will nicht das Mädchen sein, welches am Lautesten lacht.
Ich will nicht das Mädchen sein, welches niemals allein sein will."
Sie krümmte ihren Rücken und senkte ihren Kopf.

 Unruhig begutachtete sie aus dem Augenwinkel, wie er eine Zeitung aus seinem Aktenkoffer zerrte, ohne auch nur einen Blick an sie zu verschwenden.
Die Ruhe jagte ihr Angst ein, weil sie die Wahrheit schrie.
Das grelle Neonlicht blendete sie. Unter diesem Licht konnte man gut erkennen, dass sie müde war.
Müde, zerissen, angsterfüllt und gebrochen.
 Ihr Körper begann zu zittern. Ganz still und heimlich, sodass niemand etwas davon merkte.
"Soll ich ? Soll ich ? Soll ich es wirklich tun ? Was soll ich tun ? Reiße dich zusammen! Soll ich es tun oder tue ich es, weil ich soll ? Weil ich muss ?"
Bekümmert, wie sie war, merkte sie gar nicht, dass ihr der eingeborte Daumen dazu verhalf, dass rote Tropfen voll Blut auf ihren Sitz fielen.
Ihr Herz schrie nach Sehnsucht. Der Druck war unaushaltbar.

Und dann tat sie es. Sie redete ihre Gefühle vom Leib und Seele.
Aus einer Beichte wurde eine Diskussion, aus einer Diskussion eine heftige Meinungsverschiedenheit und aus einer Meinungsverschiedenheit wurde ein Streit.
Du konntest sehen, wie sie sich anschreien. In Abendkleid, Krawatte und in einem pieckfeinen Restaurant. Begafft wurden sie nicht nur von den Gästern, sondern schauten sie sich auch an..
Du konntest sehen, wie sie ihre Hände über den Kopf warf,bis sie schließlich vor ihren Augen zur Halte kamen, wie sich Tränen und Zornesfalten bildeten, wie eine Faust auf den Tisch schlug, wie die Worte "Du hast alles. Liebe brauchst du nicht. Und Eltern auch nicht.", über seine Lippen kamen, stille Schreie, zerrissene Gefühle, unaufhaltsame, harte Worte.
Alles verlief in Zeitluppe.
"Alles hatte ich jemals. Alles. Hatte ich jemals alles ? Denn, wenn du mir das Teuerste, das Wertvollste, das Unbezahlbare verwährst.. Habe ich dann alles ?
Du bist ein Vogel. Weit oben und du denkst, dass dich rein gar nichts zu Fall bringen kann. Dass du oben sicher bist, solange du oben bist ..
Aber dieses Vögelchen war dämlich. Denn der Vogel dachte tatsächlich, dass er frei wäre. Dabei war er nur von dem reflektierten Licht der goldenen Käfigstangen geblendet.
Goldene Käfigstangen, welche aus Kupfer waren. Denn das Gold blätterte ab."
Rapide stürtzte sie raus und rannte zwischen den Tischen bis zum entgegen gesetzten Punkt des Restaurants.
Irgendwer kreischte "Fräulein!" hinter ihr her und über irgendetwas stolptere sie sachte. Aber das interessierte sie nicht weiterhin.
Dass ihre Wangen feucht waren, verdrängte sie.
Die Tür war schön. Aus Mahangoni wahrscheinlich..
Sie war aber nicht deswegen schön. Sie war schön, weil sie ihr die Möglichkeit gab zu fliehen.
Sie riss die Tür auf und ein dunkler Windstoß fuhr durch ihre langen, braunen Haare.
Es war dunkel draußen. Aber als sie nocheinmal in das Lokal einen Blick zurückwarf, wusste sie, dass die Dunkelheit heller strahlte, als das Neonlicht des Lokales.
Wimmernd fuhren ihr noch einige Tränen über ihr Gesicht, bis sie eine Hand vor dem Mund schlug und sich dazu zwang Ruhe zu geben.
Die Nacht war laut. Die Nacht rufte nach ihr und flüssterte sanft  "Lass uns spielen.."
Zitternd, fast vibrierend stand sie da, bis sich ihr Blick erhob und sie ihr langes Haar zurück warf.
Der Wind kitzelte sie, als hätte er lange, knochige Finger, welche sie umgarnen. Sie stand im Türrahmen.
Ein letztes Mal drehte sie sich noch um. Mit einem wasserglasigen Vorhang sah sie ihn, den Mann, welchen sie immer lieben würde, nocheinmal an. Gestresster Blick, Zornesfalte, bittere Miene, er laß wieder und würde weiter lesen.
"Wenn ein Herz gebrochen wird, dann fällt es in zwei. Und wenn es wieder zusammenwächst, dann wächst es mit Schrammen und Flicken, krumm und schief zusammen. Und dann wird es kalt und eisig, damit es nicht nocheinmal gebrochen werden kann.", murmelte die Träumerin kaum hörbar.
"Dir muss dasselbe passiert sein.."
Noch einmal, ein allerletztes Mal, warf sie einen Blick zu ihm. Dann ließ sie die Tür ins Schloss sinken, wendete sich zum Ausgang und pfefferte den letzten Rest von Hoffnung von sich.
Ein allerletztes Mal wollte sie ihn anschauen. Ein allerletzes Mal. War es das letzte Mal ?




Ich weiß nicht, was ich will, Ich weiß nicht, was ich fühle. Ich weiß nicht, ob es richtig oder flasch war, wieder zu bloggen. Ich weiß nicht, ob die Bloggerpause vorbei ist.

Kommentare:

  1. Ich hab mich so gefreut, in meinem Dashboard zu sehen, dass du eine neue Geschichte gepostet hast! :)

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  2. dankeschön...ich fühl mich besser, wenn mir jemand gut zuredet. vielen lieben dank dafür
    *küsschen geb*

    bei dir hab ich auch schon lange nich mehr vorbeigeschaut. ich komm auch zu nix mehr-.- aber morgen muss ich mir mal deine neue geschichte durchlesen <3

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  3. das gute und zugleich schlechte an deinen geschichten ist, dass man dieselben gefühle deiner charaktere selbst durchlebt.
    ich bewundere dich dafür, dass du so schreiben kannst.

    da ich es kleinlich finde, irgendwelche rechtschreibfehler aufzuführen, die schriftstellern nun mal passieren, hab ich nichts auszusetzen ;)

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  4. Wow, deine texte sind alle total schön. x]

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  5. Süße Geschichte :)
    Freut mich, egal ob du Bloggerpause vorbei ist oder nicht, dass du wieder was gepostet hast ;)
    Pause heißt ja nicht völlig aufhören, vergiss das nicht ;)

    <3

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  6. Manchmal, wie jetzt, fehlen einem (positiv) die WOrte :)

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  7. Klar, kein Problem, schiess einfach los - in welcher Form auch immer dus gern haettest? sag einfach Bescheid :)

    Ach, und dass Alexandra von On ne voit bien avec kle coer... auch grad in Irland ist, weisst du vermutlich, oder? :)

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  8. :D danke!
    ja, die ist toll. Gehört nur leider meiner Freundin (;

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  9. Süß. Und der großgedruckte Satz ist toll!

    <3

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  10. mädchen, das ist ein bisschen übertrieben :DD wieso ist das schlecht?

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  11. Ich habe dich mit Bild & kurzem Text auf meinem Blog vorgestellt!

    http://lebeneinesteddys.blogspot.com/2011/03/blogvorstellng-teil-ii.html

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  12. Die Geschichte ist wunderschön. Aber irgendwie sind alle deine Geschichten immer so traurig...

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