Donnerstag, 17. Februar 2011

she is not perfect. she is not feelless. she has 276 reasons for hating herself.

                                               
                                                                     Bild via
Seufzend warf sie sich auf ihr großes, wohlgeformtes Bett. Es war weich und breit. Es erschien noch breiter und noch weicher, da auf der Tagesdecke liebevoll rosarote Blümchenmuster aufgestickt wurden. Diese Decke erinnerte an eine großherzige Oma, welche für ihren vergötterten En(k)(g)el, eine liebliche Decke, voller Mühe und Herzlichkeit stickte.
Das Herz des Mädchens schlug. Sehr laut. Würde sie es nicht besser wissen, würde sie davon ausgehen, dass ihr Nachbar über ihr, sich über den lauten Krach ihres Herzens beschweren würde.
Es war kühl und nur eine kleine Lampe, welche schräg von der Decke baumelte, bot ihr Licht.
IPod Stöpsel in den Ohren, dröhnten laute Bässe sie zu und ließen ihr Herz in einen anderen Rhythmus schlagen. Währenddessen der Kaffee, welcher auf den bedeutungslosem, weißem Tischschen, welches sich neben dem Bettgestellt befand, langsam an Temperatur verlor, bemerkte sie erst recht nicht, wie ihr Festnetztelefon bereits seit Stunden wie eine Tomate feuerrot aufblinkte.
Jemand hatte sie versuchen zu erreichen, aber sie kümmerte es nicht. Alles war ihr egal. Was sollte auch schon von Bedeutung sein, wenn nichts zählt ?
Wenn es niemanden interessiert, ob du morgen aufwachst ? Wenn es niemanden stören würde, wenn du nie wieder das Haus verlassen würdest ? Wenn es niemanden scheren würde, wenn du nie gelebt hättest ? Weil nichts von Bedeutung ist. Weil alles Vergänglich ist. Und alles, was wir zurücklassen das ist, was wir getan haben. Oder nicht getan haben.
" What would you do, if you would had one more chance ? Please, please, tell me, what would you do ? What if ? What if ? What if ?" Das war der Sound, welcher ihr bereits seit 24 Stunden durch den Kopf schoß. Der Sound, welcher ihr Herz berühte und zum Aufglühen brachte. Das Einzigste, was ihr noch Hoffnung gab.
Das Mädchen richtete sich hastig, halbwegs auf, um sich an einen ihrer bleichen, kühlen Bettstangen zu umklammern. Sie sah müde aus. Ihre Haut war ebenmäßig, aber so bleich, dass man sie für ein Gespenst halten könnte. Unter ihren Augen machten sich dicke Schatten breit, was den "Gespenster Effekt", nur noch verstärkte.
Kühles Neonlicht brachte sie zum Frösteln, sodass sie ihre Beine an ihren Körper zog und die Musik noch lauter aufdrehte.Vielleicht lag es aber auch daran, dass sie sich strikt dagegen weigerte etwas anderes als einen alten, matschgrünen Wollpulli und eine kurze, schwarze Hotpants anzuziehen. 
Stumm und still betrachtete sie lautlos die Decke ihres Zimmers.Sie war weiß und hell.
"Scheiße. Scheiße. 
Scheiße. Scheiße. 
Du bist perfekt.                                                                                         Sagen sie.
Du bist gefühlslos.                                                                                    Sagen sie.
Du bist angestlos.                                                                                     Sagen sie.
Sie sagen es, weil sie Recht haben. Oder es denken.
Weil niemand von ihnen weiß, warum es so aussieht, wie es in dazu gekommen ist. Was soll das ?
Wollt ihr es nicht sehen ? Könnt ihr es nicht sagen ? Könnt ihr es nicht sehen ?
.. weil Schwächen zurücktreten, wenn man die Stärken betont, nicht wahr ?"

Sie sah aus wie eine Puppe, welche einfach nur da lag und nichts tut. In ihrem Augen lag kein Glanz, kein Leben, keine Freude, aber auch keine Trauer. Nada. Nichts.
" Licht ist schlecht. Sehr schlecht. Du kannst Dinge sehen. Dinge, welche du nicht sehen willst. Die Dunkelheit ist gut. Sie bietet Sicherheit vor der Realität."

Es war bereits Abend geworden und die Rollläden, welche sie eigentlich hätte herunter ziehen sollte, funkelten sie böse an, als würden sie sagen wollen "Schieb uns herunter! Nicht, dass dich noch jemand durch das Fenster sieht." Aber sie blieb faul und belanglos. Es kümmerte sie nicht.
Das Mädchen starrte in die endlose Dunkelheit und wartete nur noch darauf, dass sie von ihr aufgefressen wurde. Ein Kälteschauer durch zuckte sie.

Mit Gänsehaut kugelte sich das Wesen hastig von ihrem Bett, warf sich auf den Boden und vollstreckte, nicht gerade elegant, eine Drehung, sodass sie nun vor ihrem Bett kniete. Das Licht der Lampe zitterte.
Dieses Mädchen hatte gerade erst ihren Geburtstag hinter sich. Sie war weder jung, noch alt. Und trotzdem hatte sie bereits viel in ihrem Leben geprägt. Abdrücke, Spuren hinterlassen.
"Als ob ein Kind mit den Füßen Spuren in den Sand malt. Als ob es nicht wüsste, was es tat. Als ob es nicht sein Leben wäre.", flüsterte das Ding.


Da saß sie nun immernoch vor ihrem Bettchen, als ob sie ein ahnungsloses Kind wäre und beten würde. Aber das tat sie nicht.
In ihren Gedanken malte sie Kreise auf die rosageblümete Bettwäsche.
" Es hat doch sowieso keinen Sinn. Früher oder später mache ich es sowieso. Worauf noch warten ?"
Was niemand, wirklich niemand wusste war, dass dieses Mädchen still und heimlich sich eine Sammlung zu gelegt hatte. Eine ganz spezielle Sammlung. Etwas, was nur ihr gehörte.
Eine kleine Kiste war es. Unschuldig in weiß gehüllt. Obwohl diese Kiste in der hintersten Ecke unter ihrem Bett lag, hatte sie niemals Staub angesetzt und würde das auch nie tun.
Das Mädchen betrachtete tagtäglich ihre Sammlung. Auch wenn es sie tötete. Und sie war sich dessen wohl bewusst. Die Flamme der Lampe flimmerte immer stärker und stärker.
Vorsichtig bog sie sich herunter, verkrümmte ihren Rücken, sodass dieser sich zu einer flexible Sichel formte, welcher schwungvoll  unter ihr Bett bog und mit leicht zerzaustem Haar und einer weißen Schachtel in der linken Hand, wieder hervor kam.
Leicht holprig schmiss sie sich wieder auf ihr Bett.
Sie öffnete den Karton vorsichtig und erblickte ein Stück Papier. Es war ihre Sammlung, ihre Liste, ihr Leben.
Das Stück Papier war sorgfältig aufgehoben worden, sodass es kein Knick, kein Eselsohr, rein gar nichts hatte!
In krakeliger Schrift stand als Überschrift "Gründe". Nicht gerade vielsagend, aber etwas Besseres viel ihr zu dem Zeitpunkt, als sie die Liste erstellte nicht ein.
Diese Liste war bereits lang. Ihre Augäpfel fuhren die einzelnen Nummerierungen nach und überflogen die Liste kurz.
Es war nicht etwas Unbedeutendes wie eine Einkaufsliste. Es war keine To-Do Liste. Keine Pro/Kontra Liste. Keine Liste,in welche du kurz führst, um einen Überblick zu erhalten und sie danach wieder wegschmeißt.
Es war die Liste ihres Lebens. Eine Liste über ihre Taten. Diese Liste hatte bereits 276 Einträge. Und heute würde sie einen neuen Hinzufügen. 
         Es war eine Liste mit 276 Gründe sich selbst zu hassen.


Sie war sorgsam geführt, obwohl das Mädchen nicht jeden Tag einen neuen Eintrag machte.
An einem Eintrag hielten ihre Augen still und lasen ihn ganz durch.
56. Grund. - Ich bin dumm.
Ich bin dumm, weil ich dumm bin. Weil es nichts Dümmeres, als mich gibt.
Das wissen alle. Selbst meine Eltern.

"'... obwohl es bereits Jahre her ist.",verachtete sie sich selbst.
" Sie meinten es nur gut. Glaube ich. Er .. er war gestresst. Und ich hätte ihm nicht bei der Arbeit stören sollen. ", wimmerte sie zimperlich.
"Er, nein Er war gestresst.", drückte sie sich ernsthafter aus.
" Ich hätte ihn nicht stören sollen und obwohl ich erst 10 war, bereue ich es immernoch. Es war, nein, es ist meine Schuld.
Er.. er war im Recht, als er mich an schrie."
Das, was wirklich geschah, hatte sie nicht verarbeitet. Hatte sie nie verdauen können.
Wie auch, wenn der eigne Vater, einen anschreit, dass man doch endlich die Barbiepuppe weglegen soll und man erwachsen werden soll .. ?
.. und ab diesen Zeitpunkt war sie auch erwachsen. Ob es ihr gefiel oder nicht. Auch wenn er sich anschließend entschuldigt hat..

Die Lichtquelle flackerte immer stärker. Fast als wäre es eine Kerze, welche nur noch darauf wartete, dass der Docht komplett abbrannte und das Licht schlussendlich erlosch.

Sie sprach, geschweigeden dachte sie gerne an solche Themen gerne und meistens war sie erstaunlich erfolgreich Dinge zu unterdrücken, an welche sie nicht gerne dachte. Nicht jetzt.
Die Glühbirne brannte komplett durch und das Zimmer verdunkelte sich schlagartig.


" Licht ist schlecht. Sehr schlecht. Du kannst Dinge sehen. Dinge, welche du nicht sehen willst. Die Dunkelheit ist gut. Sie bietet Sicherheit vor der Realität. Aber manchmal kannst du selbst Dinge in der Dunkelheit sehen. Dinge, welche du nicht sehen willst..."


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 Nicht wundern :Der Grund, warum in dieser Geschichte die Gefühle nicht herausgearbeitet werden, ist, dass in dieser Geschichte keine existieren.

Kommentare:

  1. jetzt verstehe ich deinen Blog viel besser. Um dem Alltag zu entfliehen...

    schön gesagt!

    Ich lese gern hier.

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  2. hoffentlich zum guten xD

    naja...ich bin gestern abend echt noch total verzweifelt...weil irgendwie hab ich die dvd reingeschoben und der fernseher blieb schwarz :/ nach einer halben stunde ist mir dann aufgefallen, dass der stecker nicht drin steckte :D

    letzendlich hatte ich dann auf scary movie3 doch keine lust und hab mich für stolz und vorurteil entschieden. der is doch immer wieder schön^^

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  3. eig hatte ich jetzt gar keine zeit zum lesen, aber nachdem ich den ersten satz gelesen hatte, konnte ich nicht anders...(bei guten büchern geht mir das auch immer so^^)
    immer wenn ich deine geschichten lese...ich weiß nicht, sie haben irgendwie etwas trauriges an sich; sie zeigen die abgründe der menschheit, der welt, über die man drübersteigt, die man nicht sehen will. irgendwie ...fühlt man sich schuldig.

    ,,Weil alles Vergänglich ist. Und alles, was wir zurücklassen das ist, was wir getan haben. Oder nicht getan haben."
    diese worte sind so...bedeutend, obwohl ich nicht erklären kann warum...
    es ist unglaublich, wie du immer auf sowas kommst...auf die geschichten..auf die charktere. es passt irgendwie alles zusammen, es ist so...echt...

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  4. naja ich meine auch nicht das ende...es ist so eine stimmung, die einen ergreift, wenn man sie liest...verstehst du? ist jetzt aber nichts negatives^^

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  5. Ach, immerhin bekommt ihr einen Primark. Für HH ist nich einmal einer geplant, obwohl hier das Marketing für Deutschland sitzt. Gemeinheit. :(

    Die Sachen sind ausm Primark in Bremen ;)

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  6. I don't understand, but I like the photo. Thanks for sharing and drop by me too, soon.

    Cheers.

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  7. Woher bist du denn? Aus Hannover?

    In HH gibt's nen Urban Outfitters, in Bremen aber nicht. Bremen hat auch keinen Zara. Aber dafür eben Primark. Grmpf. :D

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  8. hmm, genau das weiss ich ja nicht. Bei mir und meinen Mädels ist es einfach so, dass genau dann, die besten Gespräche zustande kommen. Vllt, weil man noch nicht gehen will. Ode rweil man auf so kleinem, privatem Raum ist. keine Ahnung. Aber ich liebe sie...

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  9. meinst du das es sich so anhört als wäre ich zerstört oder schmettert es den Leser nieder?

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  10. Ach Gottchen ich habe deine Seite schon Ewigkeiten in meinen Lesezeichenleiste gespeichert so als art Erinnerung weil ich das noch lesen musste und als du es veröffentlicht hast viel zu faul dazu war. Jetzt habe ich es endlich gelesen und finde sie echt toll auch das die Gefühle mehr Hintergrund sind finde ich gut wäre es nicht so hätte die Geschichte nichts besonderes c:

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  11. Anfangs war es leicht verwirrend. Dennoch ist sie wirklich total schön geschrieben. Ich liebe den Teil über die Dunkelheit <33

    Jaa, lala, du bist allwissend :)
    Du hattest Recht, dass der Februar wieder einiges in Ordnung bringt :*

    <3

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  12. Sollen sie auch überhaubt nicht :P
    ist nur so eine art Contecst jeden Tag ein Bild (ich hab mal 3 genommen) nach einen bestimmten Prinzip hochzuladen und das mache ich dann so ganz nebenbei in den Post mit rein den ich sowieso schreibe weil ich 2 Poest am Tag nicht so toll finde.

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  13. nicht mehr viel - aber ja, es liegt noch schnee :)

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  14. :D :D :D ja du ich glaube schon allein über die lukrative pferdezucht hätte ich ein buch schreiben können xD wir hatten da z.b. so ein total fettes pferd. das war herbert xD der musste immer auf die fohlen aufpassen...du musst unbedingt mal was darüber schreiben, über deine kindheit meine ich xD

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  15. versuchs doch mal xD außerdem sind stille wasser meist tief - und schmutzig :D

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  16. Du bist so gut, dass ich angst vor dir haben muss :)
    Aber danke für alles <3

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  17. ich freu mich schon auf die nächste Story :)

    <3

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  18. Nein, natürlich nicht vor dir selbst, sondern vor deiner Fähigkeit die Zukunft vorherzusehen :)

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  19. Die Geschichte hat mich total berührt. Vielleicht weil ich ich manchmal auch so fühle. Ernninnert mich ein bisschen an ein Buch, was ich mal gelesen habe.

    Ich bin die mittlere. :D

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